Sicherheitsschuhe – Klassen und Einsatzgebiete in der Übersicht

Moderne Sicherheitsschuhe
Sicherheitsschuhe müssen schon lange nicht mehr klobig aussehen - Foto: francescomoufotografo / depositphotos.com

Knöchel und Füße liegen in der Unfallstatistik der Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (BG ETEM) unmittelbar hinter den Händen auf Position 2. der häufigsten Arbeitsunfälle. Der Gesetzgeber hat deshalb in  § 3 Abs. 2 Satz 1 Ziffer 1 Arbeitsschutzgesetz bestimmt, dass der Arbeitgeber die Kosten für Sicherheitsschuhe und andere Arbeitsschutzkleidung tragen muss, um seine Mitarbeiter möglichst gut vor Verletzungen am Arbeitsplatz zu schützen.

Hobbyhandwerker, die häufig ähnlichen Gefahren ausgesetzt sind, schützen sich hingegen in vielen Fällen nicht durch professionelle Arbeitskleidung. Dies liegt zum einen daran, dass sie darauf vertrauen keinen Unfall zu erleiden, aber auch daran, dass sie nicht wissen, welche Sicherheitsschuhe sich für ihre Arbeit eignen und wie teuer diese sind. Handwerkszeug.net stellt aus diesem Grund die verschiedenen Sicherheitsklassen und Einsatzgebiete vor und zeigt, dass Sicherheitsschuhe günstiger sind als oft angenommen.

Definition – Was sind Sicherheitsschuhe?

Umgangssprachlich werden Sicherheitsschuhe oft auch als Stahlkappenschuhe, also Schuhe mit einem speziellen Zehenschutz aus Metall, bezeichnet. Wichtig ist hier die Abgrenzung von sogenannten Schutzschuhen, deren Sicherheitskappen häufig aus Kunststoff bestehen. Dies führt dazu, dass Schutzschuhe bereits bei einer Belastung von 100 Joule versagen, während Sicherheitsschuhe in Deutschland mindestens der doppelten Belastung von 200 Joule standhalten müssen. Außerdem hat der Gesetzgeber für Arbeitssicherheitsschuhe noch weitere Kriterien definiert, die Sicherheitsschuhe in Abhängigkeit von ihrer Klassifizierung erfüllen müssen.

Die unterschiedlichen Sicherheitsschuhe-Klassifizierungen

Die Schutzwirkung von Sicherheitsschuhen nimmt aufsteigend mit ihrer Klassifizierung zu. Welcher Sicherheitsschuhe für unterschiedliche Arbeiten ausreichend schützt, hat die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e. V. (DGUV) in einer Beispielsammlung (PDF) zusammengefasst.

Grundklasse SB

Die Grundklasse SB definiert die Mindestanforderungen, die zur Bezeichnung als Sicherheitsschuh in Deutschland erfüllt werden müssen. Neben einem geschlossenen Zehenbereich mit einer Zehenschutzkappe ist dies auch ein Schutz gegen Kraftstoffe wie Benzin, Diesel und Öl. Eine besonders Sohle oder ein Schutz des Fersenbereichs umfasst die Grundklasse für Sicherheitsschuhe hingegen nicht.

Klasse S1

Die Klasse S1 wird oft auch als Standardsicherheitsschuh bezeichnet. Im Gegensatz zur Grundklasse SB ist hier auch der Fersenbereich geschlossen. Außerdem verfügen Sicherheitsschuhe dieser Klasse über einen Schockabsorber und sie sind antistatisch.

Klasse S1P

Sicherheitsschuhe mit der Klassifizierung S1P besitzen die Schutzeigenschaften der Klasse 1 und bieten überdies eine durchtrittsichere Zwischensohle, die vor spitzen Fremdkörpern wie Schrauben und Nägeln schützt.

Klasse S2

Die mechanische Schutzwirkung der Klasse S2 und Klasse S1 ist identisch. Sicherheitsschuhe mit S2-Klassifizierung müssen jedoch immer aus Leder bestehen und eine bedingte Wasserdichtigkeit (Kürzel: WRU) haben. Konkret muss ein S2-Sicherheitsschuh so wasserundurchlässig, dass für mindestens eine Stunde keine Flüssigkeiten in den Schuh gelangen kann. Nach weiteren 30 Minuten darf maximal 2 Gramm Wasser im Inneren des Schuhs sein. Über eine durchtrittsichere Zwischensohle, wie bei der Klasse S1P verfügen S2-Sicherheitsschuhe nicht.

Klasse S3

In der Klassifizierung S3 sind die Schutzwirkungen der Klassen S1P und S2 vereint. Sicherheitsschuhe dieser Klasse besitzen also eine durchtrittsichere Sohle, Stahlkappen am Zehen- und Fersenbereich und eine bedingte Wasserdichtigkeit für mindestens eine Stunde.

Klasse S4

Die Klasse S4 bildet unter den Sicherheitsschuhen eine Ausnahme, weil sie in Deutschland fast ausschließlich als Stiefel erhältlich ist. Sie vereint die Schutzwirkung der Klassen S1 bis S3 und darf zusätzlich nur aus einem Stück gefertigt werden. Nähte und Verklebungen, die verschiedene Bauteile des Schuhs beziehungsweise Stiefels zusammenhalten, sind also nicht gestattet.

Üblicherweise werden S4-Sicherheitsstiefel deshalb aus Vollgummi oder anderen Polymeren hergestellt. Sie sind deshalb absolut wasserdicht und auch gegenüber materialangreifenden Flüssigkeiten wie Benzin und Diesel unempfindlichen.

Klasse S5

Auch Sicherheitsschuhe der Klasse S5 sind in Europa fast nur als Stiefel erhältlich. Ihre Schutzwirkung ist durch einen zusätzlichen Durchtrittschutz im Vergleich zur Klasse S4 nochmals höher.

Zusatzbezeichnungen bei Sicherheitsschuhen

Neben den Schutzwirkungen, die in den jeweiligen Schutzklassen bereits enthalten sind, gibt es bei Sicherheitsschuhen noch eine Reihe von Zusatzbezeichnungen. Diese ergänzen den Schutz und erweitern damit den Einsatzbereich der jeweiligen Modelle.

  • A = antistatische Schuhe
  • C = leitfähige Schuhe
  • E = Energieaufnahme im Fersenbereich
  • P = Durchtrittsicherheit
  • CI = Kälteisolierung
  • HI = Wärmeisolierung
  • FO = Sohle gegen Benzin und Öl resistent
  • HRO = Verhalten gegenüber Kontaktwärme
  • SRA = Rutschhemmung auf Keramikfliesen und Reinigungsmitteln
  • SRC = Rutschhemmung auf Stahlböden und Glycerin
  • WR = Beständigkeit gegen Wasserdurchtritt und Wasseraufnahme (gesamter Schuh)
  • WRU = Beständigkeit gegen Wasserdurchtritt und Wasseraufnahme (Schuhoberteil)

Weitere Klassifizierungen für Schutz- und Sicherheitsschuhe

Neben den Klassen SB bis S5 gibt es für Sicherheitsschuhe noch die Klassifizierungen OB bis O5 und PB bis P3. Die Klassen PB bis P3 bezeichnen Schutzschuhe mit geringeren Anforderungen an die Zehenschutzkappe. Die Klasse OB bis O5 bezeichnet herkömmliche Arbeitsschuhe ohne Zehenschutzkappe, die nicht mit Arbeitsschutzschuhe, einem Synonym für Sicherheitsschuhe, verwechselt werden dürfen. Zusammenfassend bieten Sicherheitsschuhe der Klasse SB bis S5 also immer einen besseren Schutz als Schutzschuhe und Arbeitsschuhe.

Kosten eines Sicherheitsschuhs

Obwohl es sich bei Sicherheitsschuhen um zertifizierte Spezialprodukte mit hohen Anforderungen handelt, ist ein Paar eines europäischen Markenherstellers bereits für unter 20 Euro erhältlich. Beim Kauf sollte deshalb auf „Billigware“ aus Fernost verzichtet werden. Diese ist zwar oft noch ein wenig günstiger, wird aber nicht so gründlich geprüft und bietet deshalb in vielen Fällen leider nicht die versprochene Schutzwirkung.

Zusammenfassend wird es somit deutlich, dass Sicherheitsschuhe auch für den Hobbyhandwerker eine sinnvolle und zugleich günstige Investition sind, die im Ernstfall vor schlimmen Verletzungen und Langzeitfolgen schützen kann.

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Der "Hobbyschrauber" Kai W. ist unser verantwortlicher Redakteur. Mit vielen Jahren Erfahrung in handwerklichen Bereichen (Feinmechanik, Metallverarbeitung/Fensterbau, Möbel- und Küchenmontage, sowie hausmeisterliche Tätigkeiten) kennt der verantwortliche Redakteur dieser Seite sich bestens mit den verschiedenen Gerätschaften aus und betreibt schon seit 2016 diverse Projekte zum Thema Wohnen, Bauen, Immobilien und Garten. Dieses Wissen nutzt er nun, um einen großen Ratgeber zum Thema Handwerkszeug auf die Beine zu stellen.